Kreuzfahrten in Kuba (Teil 4): Das Valle de Viñales, der Tabak und „Die Waltons“

Valle de Vinales Kuba

Paradiesisch: Das Valle de Vinales in der Region Pinar del Rio

Zu den Tabakbauern von Kuba

Kreuzfahrt plus Rundreise, so haben wir es auf Kuba gemacht. Erst die historischen Zentren Havanna, Trinidad, Cienfuegos (siehe Kreuzfahrt in Kuba: Teil 1 bis 3), und jetzt das Valle de Viñales. Ein Tal wie aus dem Paradies. Rote Erde, grün bewachsene Hügel, skurrile Karstfelsen. Fruchtbare Felder, reife Obstbäume, Ochsen, Schweine, Ziegen. Garten Eden. Ein Meisterwerk der Natur. Wie gemalt. Für viele das schönste Tal der Welt. Wir stürzen uns ins Abenteuer und machen eine Wanderung mit – ja, mit Überraschungs-Ziel.

Naturparadies Valle de Vinales auf Kuba

Kitschige Idylle: Das Valle de Vinales auf Kuba

Keinen Schritt ohne eine Tasse frischen, kubanischen Kaffee auf der Terrasse unserer Villa Terraza. Frisch gebrüht von Yerenia, der symphatischen Hausherrin. Sonnen-Hut, Wasserflasche, feste Turnschuhe? Startklar. Zuerst wollen wir zum Hotel Los Jazmines etwas oberhalb des Ortes. Nicht, weil der 70er Jahre DDR-Look des Hauses der staatlichen Reisegesellschaft cubanacan sehenswert wäre. Der Hit hier ist die Plattform davor. Wo wir gerade noch rechtzeitig eintreffen, um einem Naturschauspiel beizuwohnen. Unter uns und vor uns breitet sich das schlafende Tal aus. Der Nebel liegt in schweren Schwaden über ihm. Dazwischen ragen die urzeitlichen Felsenhütchen heraus. Die „Elefantenrücken“ . Die Sonne steigt auf und läßt die Karst-Kegel glühen. Ein Bild von göttlicher Schönheit, eingebrannt in unsere Erinnerung.

Wir fahren in das 7000-Seelen-Dorf zurück. Seine Beschaulichkeit gefällt uns. Die immerhin 250 Casas particulares verändern die Ruhe Gottseidank nicht wesentlich. Und die meisten Bustouren mit Tages-Touristen aus Havanna fahren ohne Stopp durch den Ort hindurch. Wir wollen in die Wildnis. Deshalb haben wir Luis (24) angeheuert. Der junge Kubaner ist ein Freund von Yerenia, den sie uns gleich nach unserer Ankunft abends vorher noch schnell organisiert hatte. Luis spricht gut Englisch, will sich als Spezialist für Natur-Ausflüge eine Selbstständigkeit aufbauen. Vor allem ist er hier geboren. „Ich kenne alles und jeden.“ Wir vertrauen ihm.
Nach 15 Minuten Fahrt über Schlaglöcher-Pisten und Schotterwege steigen wir aus Luis Auto und marschieren los – hinein ins Gebüsch. Eine gute Stunde laufen wir über flache Wiesen, hüpfen über kleine Bäche, vorbei an Feldern mit Ananas, Reis, Maniok.
Luis erklärt uns die Einzigartigkeit der Mogotes. Vor 150 Millonen Jahren gruben sich unterirdische Flüsse durch den Kalk, trugen die weichen Schichten ab. Unterhöhlten das Gestein, bis es einem riesigen Schweizer Käse glich. Große Bereiche brachen ein und bilden das heutige Tal. Was stehen blieb waren durchlöcherte Säulen. Sie wurden durch Wind und Wasser zu den heutigen Kegeln, Hütchen oder Hügel.“ Elefantenrücken“, nennen wir die Mogotes. Manche sind bis 400 Meter hoch“, erzählt Luis. Innendrin beherbergen sie riesige Höhlensysteme. Folge: Das Regenwasser fließt durch die „Käselöcher“ durch. Dieses trockene Milieu der Mogotes zieht eine besondere Vegetation nach sich. 60 endemische Pflanzen wachsen hier.

Die Mogotes im Valle de Vinales auf Kuba

Die Mogotes, riesige Kalksteinfelsen

 

Ananas aus dem Obstgarten Kubas

Ananas aus dem Obstgarten Kubas

Los Sanchez – die „Waltons“ von Kuba

Zu Besuch bei den „Los Sanchez: Sie sind Bauern im Valle. Opa, Sohn, Bruder und Enkel. Drei Generationen, die sich wie ein Ei dem anderen gleichen. Wie aus der amerikanischen TV-Serie „Die Waltons“ entsprungen. So stehen sie in Reih und Glied vor ihrem Schuppen, lüften zum Gruß den Lederhut und reichen uns nacheinander die Hand. Die Familie betreibt Ackerbau wie vor 150 Jahren. Mit zwei Ochsen und einem Pflug. Säen ihre Saat per Hand aus. Pflanzen Ananas, Kaffee und Tabak an. Sie sind „vegeuros“, wie die Tabakpflanzer hier heißen. Der Tabak ist bei unserem Besuch schon abgeerntet. Zwei Monate hatten die Setzlinge gebraucht, bis sie zwei Meter in die Höhe geschossen waren. Dann beginnt die Handarbeit. Erst die größeren Blätter, dann die kleineren. Als nächstes kommt der Tockengang. Im Schuppen. Sohn Jose führt uns dorthin, Hier hängen die Blätter auf Standen aufgereiht etwa 40 Tage lang. „Dabei werden sie braun und verlieren bis zu 80 Prozent ihres Gewichts“, so Jose. Sein Tabak braucht noch gut zwei Wochen. Dann beginnt die Fermentierung, bei der Nikotin, Teer und Säuren abgebaut werden, sich die Duft- und Aromastoffe bilden. Das ganze wird ein paar Tage tüchtig durchgelüftet und in Ballen gepresst gelagert. Joses Vater Antonio ist stolz: „Wir Kubaner haben den besten Tabak der Welt.“

Tabakbauern Los Sanchez im Valle de Vinales auf Kuba

Die „Los Sanchez“ : seit drei Generationen Bauern

Das weiß der Rest der Welt seit Christoph Columbus. Als der Entdecker 1492 hier landete, sah er, dass die Eingeborenen „Rauch tranken“ und die Tabakstangen „Cohiba“ nannten. Die Cohiba ist bis heute eine der bekanntesten Zigarrensorten – und ein von Zigarren-Liebhaber Fidel Castro seit der Revolution geförderter Exportartikel. Kuba stellt bis heute ein Drittel der weltweiten Zigarren-Produktion.
Inzwischen ist es Mittag geworden. Die Hitze bruzzelt auf die rote Erde.
Keine kubanische Siesta ohne eine Zigarre! Die Los Sanchez laden uns ein, sich mit ihnen unters schattige Vordach des Gerätehäuschens zu setzen. Opa Antonio, genannt, Tono, will seinen Rum anbieten. Danke sehr, noch zu früh! Aber Wasser gern. Oma Maria schneidet frisches Obst auf. Und Sohn Jose zeigt uns, wie ein kubanischer Bauer seine Zigarre rollt – aus Tabakblättern home-made natürlich!

Tabak auf Kuba

Jose legt die Tabablätter bereit, um eine Zigarre zu rollen.

Zigarre rollen

Jose beim Zigarre Rollen

Er befeuchtet die staubtrockenen Tabakblätter, legt sie dann auf ein Holzbrett. Schneidet sie auf die gleiche Länge. Erst rollt er die Einlage, die „tripa“. Rollt dann aus drei Blättern das Umblatt, „capote“ genannt, drumherum. Diese „Puppe“ oder „Wickel“ kommt in den Fabriken meist für eine halbe Stunde in einen Presstock. „Brauchen wir nicht. Die Zigarre ist ja für den Sofort-Genuss!“ Ein Arbeitsschritt fehlt noch: „Ich muss die Enden verkleben. Dazu nehmen wir unseren Honig“, erklärt er uns. Fertig ist die Zigarre. Beindruckend, diese Fingerfertigkeit! Jose könnte locker mit den „torcedores“ in den nahen Fabriken mithalten. Die schaffen 120 Zigarren an einem Tag. Kostprobe? Jose hält uns die Zigarre hin. No, gracias, no fumamos. Also zündet er sie sich an, gibt sie an den Vater weiter. Würziger Rauch zieht in gekonnt runden Wölkchen vor uns nach oben. Junior Pito beobachtet das Geschehen mit Argusaugen. In zehn, zwölf Jahren wird auch er zur Siesta auf derselben Holzbank sitzen und sich eine Zigarre rollen. Wetten?

Zigarre rollen

Fertig ist die Zigarre: Jose hält sie für uns in die Kamera

Es folgt die Verkaufsveranstaltung: 15 Zigarren für nicht mal zwei Euro das Stück. Nach dieser Charme-Offensive können wir nicht ablehnen, kaufen das Bündel. Jose signiert unsere Rolle. Kaffee hätten sie noch im Angebot. Maria bringt flugs die pechschwarzen Bohnen abgefüllt in einer alten Liter-Flasche Cola herbei. Acht Euro umgerechnet. Sie landet mit den Zigarren in unserem Rucksack. Wir ernten strahlende Gesichter. Der Abschied ist besonders herzlich. Adios!

Höhlen auf Kuba

Höhle im Valle de Vinales

Höhlenbesuch:
Weiteres Highlight der Region Pinar del Rio sind die gigantischen Höhlensysteme. Die Gran Caverna de Santo Romas ist die größte Kubas und die zweitgrößte auf dem ganzen amerikanischen Kontinent. Sie liegt westlich von Vinales, ist 46 Kilometer lang, acht Etagen hoch, hat unzählige Galerien. Besucher können eine 90 -Minuten-Tour buchen. Wir müssen Helme mit Scheinwerfern tragen. Zuerst kaxeln alle in der Gruppe einen steilen Berghang hinauf zum Eingang. Von hier aus laufen wir etwa einen Kilometer durch die Höhlen, vorbei an Stalagmiten und Stalaktiten. Halten vor einem unterirdischen See. Lauschen unserem Echo. Schrecken so manche Fledermaus auf. Bewundern Wandmalereien indianischerUreinwohner. Genießen die Aussicht auf die Landschaft aus einem großen Felsloch.

valle de Vinales

Riesenmalerei im Valle de Vinales

Der Abstecher hat sich gelohnt. Nur einen kurzen Fotostopp wert ist dagegen die auf dem Weg liegende Riesen-Wandmalerei Mural de la Prehistoria. An ihr arbeiteten sich 18 Maler vier Jahre lang ab. Am besten sieht man das 120 Meter hohe Kunstwerk von weiter Distanz. Zu erkennen sind Meeresungeheuer, Schlangen, Saurier.

Stolze Besitzer des casa particular im Valle: Yerenia und Nils

Stolze Besitzer des casa particular La Terraza im Valle: Yerenia und Nils

Casa Particular , private Pension auf Kuba

Das Casa Particular Villa La Terraza von Yerenja und Nils im Valle de Vinales

 

Abends lassen wir auf der Dachterrasse der Villa La Terraza die Erlebnisse nachwirken. Yerenia und Nils, unsere Gastgeber, gesellen sich zu uns (Buchungen unter:  visit.vinales@gmail.com) Plaudern aus der „sozialistischen“ Schatulle. Nils serviert Mojito – frische Minzblätter aus dem Balkonkübel, Eiswürfel, kubanischer Rum weißer Zucker, Soda „und ein halber Teelöffel Honig“. Ein Geheimnis, das zu lüften uns erlaubt wird….

Weitere Infos:

www.cubacar.info

http://diekreuzfahrtblogger.de/kreuzfahrten_kuba_trinidad/

http://diekreuzfahrtblogger.de/kreuzfahrten_kuba_havanna/

http://diekreuzfahrtblogger.de/kreuzfahrten_kuba_cienfuegosneu/

http://diekreuzfahrtblogger.de/kreuzfahrten_kuba_havanna/

 

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